Karrieremöglichkeiten von Frauen variieren nach Betriebsgrößen und Branchen. Verhältnismäßig viele Chefinnen sind bereits im Dienstleistungssektor anzutreffen. Verglichen mit den anderen EU-Ländern sind die Karrierechancen von Frauen in der deutschen Wirtschaft durchschnittlich. Größere Chancen haben Frauen aufgrund der Gleichstellungsgesetzgebung im öffentlichen Dienst.
Knapp jede vierte Spitzenposition mit einer Frau besetzt
Frauen in Führungspositionen werden mehr, sind aber immer noch selten. In privatwirtschaftlichen Betrieben wird jede vierte Spitzenposition, etwa in der Geschäftsleitung oder im Vorstand, von einer Frau besetzt. Auf der darunter liegenden Führungsebene gilt das bereits für mehr als jede dritte. Unterschiede gibt es je nach Betriebsgröße, Branche und Sektor. Je größer der Betrieb und je höher die Platzierung im Börsenindex, desto weniger Frauen arbeiten in der obersten Ebene. In den Vorständen von Großbetrieben mit mehr als 500 Beschäftigten kommt nur eine Frau auf neun Männer. Bei den rund 200 größten deutschen Unternehmen liegt der Frauenanteil in den Vorständen nur noch bei rund drei Prozent. In den Aufsichtsräten ist das Bild etwas besser. Aufgrund der Arbeitnehmermitbestimmung sind hier je nach Branche zwischen zehn und 20 Prozent der Mitglieder weiblich.
Chefinnen vor allem im Dienstleistungssektor
Mehr Chefinnen - bis zu 40 Prozent - gibt es vor allem in Branchen mit einem überdurchschnittlich hohen Frauenanteil: Dienstleistungsbereiche, wie Erziehung und Unterricht, aber auch Gesundheitswesen und Gastronomie. Anders sieht es im Finanz- und Versicherungssektor aus: Obwohl hier insgesamt viele Frauen arbeiten, gibt es besonders wenige weibliche Vorstandsmitglieder. Frauen haben es also vor allem in den Machtzentren der Wirtschaft schwer, Karriere zu machen.
Deutschland im europäischen Vergleich im Mittelfeld
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit im Mittelfeld. Der internationale Vergleich zeigt zudem: Je höher in einem Land die Frauengesamtarbeitszeit, desto mehr Frauen in Führungspositionen. Europaweit haben Frauen in Schweden, Finnland und Norwegen die besten Karriereaussichten. Dort leisten sie auch über 40 Prozent aller Arbeitsstunden (Deutschland ca. 38 %). In Norwegen ist etwa jeder dritte Posten im Topmanagement mit einer Frau besetzt. Am unteren Ende der Rangliste stehen Luxemburg und Italien mit drei bis vier Prozent weiblichen Topführungskräften (bei einem Frauenanteil an der Gesamtarbeitszeit von etwa ein Drittel).
Frauenkarrieren im öffentlichen Dienst
Im öffentlichen Dienst bieten die gesetzlichen Grundlagen zur Gleichstellung eine gute Voraussetzung für bessere Karrierechancen von Frauen. Doch bis zu einer gleichberechtigten Teilhabe an den Entscheidungspositionen in den Bundes- und Landesbehörden, der Justiz oder den Hochschulen ist es auch hier vielfach noch ein langer Weg. So sind in den Bundesministerien auf den obersten beiden Führungsebenen nur etwa 5 bzw. 15 Prozent Frauen. In den Hochschulen ist, je nach Bundesland, jede fünfte bis zehnte Professur mit einer Frau besetzt.
Positive Entwicklung in der nordrhein-westfälischen Landesverwaltung
In Nordrhein-Westfalen gilt das Landesgleichstellungsgesetz mit seinen umfassenden Regelungen zur Frauenförderung und zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie: In den leitenden Funktionen der Ministerien geht der Frauenanteil inzwischen auf 30 Prozent zu. Bei den Ämtern "in der Fläche", hierzu zählen beispielsweise die Finanzverwaltung oder die Umweltverwaltung, beträgt der Frauenanteil bei den Dienststellenleitungen sogar rund 35 Prozent. Der Anteil der Professorinnen in Nordrhein-Westfalen liegt mittlerweile bei mehr als 16 Prozent.
(frauennrw.de, 14.09.2010)
