Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen
  1. Frauen NRW

Familienbewusste Unternehmen

Familienfreundlichkeit hat sich in den vergangenen 15 Jahren zu einem Wettbewerbsfaktor für Unternehmen entwickelt. Firmen werben mit dem Prädikat "familienbewusst", um vor allem Fachfrauen an sich zu binden oder auch anzulocken. Flexible Arbeitszeitmodelle sind vielerorts Standard. Das Audit Beruf und Familie der gemeinnützigen Hertiestiftung setzt mit seiner Firmenzertifizierung Maßstäbe, die Vorbildfunktion für andere Unternehmen haben.

Betriebswirtschaftliche Effekte

Familienfreundlichkeit ist betriebswirtschaftlich sinnvoll. Das zeigen viele Studien. Die Untersuchungen des Forschungszentrums Familienbewusste Personalpolitik etwa belegen: Durch eine familienbewusste Personalpolitik verringern sich sowohl die Fehlzeitenquote als auch die Dauer der Elternzeit bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ein betriebliches Familienbewusstsein hat besonders positive Effekte auf die Mitarbeitergewinnung, deren Produktivität und Motivation und damit auch auf den betrieblichen Wissensaufbau. Als Folge einer geringeren Fluktuation, eines niedrigeren Krankenstandes und einer höheren Produktivität können Unternehmen Kosten sparen.

Andere Studien zeigen, dass Betriebe, die sich aktiv um die Vereinbarkeitswünsche ihrer Angestellten kümmern, auch von einem verbesserten Unternehmensimage inklusive messbarer Marketingeffekte für den Produktabsatz profitieren. Kosten-Nutzen-Analysen ergeben, dass der betriebswirtschaftliche Effekt höher ist als der finanzielle Einsatz, den Betriebe für solche Maßnahmen kalkulieren müssen.

Flexible Arbeitszeiten und -orte

Betriebe und öffentliche Verwaltungen mit einer familienbewussten Unternehmenskultur bieten in der Regel ein Bündel von Maßnahmen an, mit denen sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern. Dabei geht es vor allem um Arbeitszeit, -organisation und -ort. Flexible und individuelle Arbeitszeiten ermöglichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihre berufliche Tätigkeit auf die Notwendigkeiten der Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen abzustimmen. Gleiches gilt für eine zwischen Arbeitsplatz und Heimarbeitsplatz wechselnde Tätigkeit sowie für monatlich oder jährlich abzurechnende Arbeitszeitkonten.

Darüber hinaus zeichnet sich eine familienbewusste Unternehmenskultur dadurch aus, dass Führungspositionen in Teilzeit angeboten werden und nicht zuletzt das Führungspersonal selbst dafür sensibilisiert ist, Familienfreundlichkeit im Arbeitsalltag umzusetzen. So können beispielsweise Kontakthalte- und Wiedereinstiegsprogramme entwickelt oder betriebseigene Regel- und Ferienbetreuung für die Kinder der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angeboten werden.

Unternehmen können sich bei der Umsetzung einer nachhaltigen familienbewussten Personalpolitik unterstützen lassen. In Nordrhein-Westfalen berät der Verbund für Unternehmen & Familie e.V. Betriebe bei der Erarbeitung familienorientierter und gleichzeitig betriebsgerechter Organisationsformen. Auf Bundesebene begleitet die "berufundfamilie" gGmbH" interessierte Unternehmen bei der Entwicklung und Realisierung passgenauer Angebote. Diese Prozesse werden mit einer Auszeichnung oder einem Zertifikat belohnt, das die Unternehmen für ihre Öffentlichkeitsarbeit nutzen können.

(frauennrw.de, 23.07.2010)

Beratungsstellenfinder

Karte_NRW