In Nordrhein-Westfalen leben derzeit 18,06 Millionen Menschen, davon rund 9,2 Millionen Frauen (etwa 51 Prozent). Bis 2050 wird die nordrhein-westfälische Bevölkerung laut Bevölkerungsvorausberechnungen um knapp zwei Millionen auf 16,16 Millionen Menschen zurückgehen, davon 8,4 Millionen Frauen (etwa 52 Prozent). Die Gründe für den Bevölkerungsrückgang sind eine stetige Abnahme der Geburtenzahlen und eine Zunahme der Sterbefälle.
Bei diesen Berechnungen gehen die Statistiker und Statistikerinnen davon aus, dass die Geburtenzahl pro Frau bei durchschnittlich 1,4 Kindern bleibt. Aufgrund der abnehmenden Zahl potenzieller Mütter wird die jährliche Geburtenzahl bundesweit von derzeit etwa 685.000 auf rund 500.000 im Jahr 2050 sinken. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung für Jungen, die im Jahr 2050 geboren werden, um etwa sieben Jahre auf 83,5 Jahre und für Mädchen auf 88,0 Jahre. Die Zahl der 60-Jährigen wird mit gut einer Million im Jahr 2050 doppelt so hoch sein wie die Zahl der Neugeborenen. 2005 gab es noch fast genauso viele Neugeborene wie 60-Jährige. Der Rückgang der Geburtenzahlen und die Beschleunigung des "demografischen Alterns" sind nicht mehr zu stoppen. Der Bevölkerungsrückgang wird nach den aktuellen Schätzungen auch durch die Zuwanderinnen und Zuwanderer nicht kompensiert werden.
Vor allem drei Auswirkungen des demografischen Wandels führen zu neuen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen:
Dies wird Veränderungen in unseren sozialen Sicherungssystemen nach sich ziehen. Durch eine verstärkte Nachfrage nach Pflege oder Rehabilitation werden neue Anforderungen an das Gesundheitswesen gestellt. Und vor allem kleine und mittlere Betriebe müssen einen zunehmenden Mangel an qualifizierten Arbeitskräften bewältigen.
Frauen sind in vielfältiger Weise von diesen Entwicklungen betroffen. Zwei Beispiele:
Diese beiden Beispiele zeigen, dass der demografische Wandel für Frauen nicht nur Risiken, sondern auch Chancen mit sich bringt. Damit die Personalchefs in Zukunft mehr gut ausgebildete Frauen einstellen können, müssen die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter verbessert werden. Damit der zunehmende Pflegebedarf gedeckt werden kann, müssen zunehmend auch Männer ihre Angehörigen pflegen oder in Pflegeberufen arbeiten. So könnten sich auch die gesellschaftlichen Rollen von Frauen und Männern weiter verändern und vielfältiger werden. Frauen sind daher gut beraten, hier und jetzt den demografischen Wandel nach ihren Wünschen mit zu gestalten.
Denkanstöße zum Thema, etwa ethische Überlegungen zum zukünftigen Zusammenleben der Menschen oder zu der Frage, was es in der heutigen Zeit bedeutet, sich für Kinder zu entscheiden, finden Sie im ersten Kapitel (S. 19 - 83) des Handbuchs " Demografischer Wandel. Die Stadt, die Frauen und die Zukunft", das vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen herausgegeben worden ist. Dort lesen Sie auch eine Analyse der aktuellen Familienpolitik, die versucht, auf den demografischen Wandel zu reagieren.
(frauennrw.de, 28.2.2007)