Resolut und standfest wirkt Dorothea Schneider, die auf ihrem Wohnzimmersofa sitzend von 35 Jahren ereignisreicher Feuerwehrlaufbahn berichtet. Man würde sich nicht wundern, wenn sie im nächsten Moment zu einem Einsatz gerufen, in ihre Uniform schlüpfen und mit ihrem blauen Polo zum Einsatzort brausen würde. Doch Feuerwehrfrau Dorothea Schneider ist seit 2006 im Ruhestand.
Als Schneider 1972 der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) Hamm beitrat, war sie gemeinsam mit drei weiteren Frauen in Nordrhein-Westfalen eines der ersten weiblichen Feuerwehrmitglieder deutschlandweit. Mittlerweile ist der Anteil der Mädchen und Frauen in der Jugend- und Freiwilligen Feuerwehr immerhin auf zehn Prozent gestiegen. Dorothea Schneider war bis zur ihrem Ausscheiden die langjährige Sprecherin der Feuerwehrfrauen in Nordrhein-Westfalen. Ihre Arbeit war somit wegweisend für die Frauen der nordrhein-westfälischen Feuerwehren. Im Oktober 2006 bekam sie von Walter Jonas, dem Präsidenten des Landesfeuerwehrverbandes Nordrhein-Westfalen, für ihr ehrenamtliches Engagement die silberne Ehrennadel verliehen. Die trage sie natürlich mit Stolz, verrät die Feuerwehrfrau, als sie die Nadel für ein Foto an ihre Uniform heftet. Bescheiden fügt sie jedoch hinzu, dass bei dem, was sie erreicht habe, natürlich immer andere mitgearbeitet hätten. Feuerwehrarbeit funktioniere nun einmal nur im Team.
Zur Feuerwehr fand Schneider über ihren Mann, der schon vor ihrer Ehe der FFW Hamm beigetreten war. "Damals wusste ich nur, dass die Feuerwehr rote Autos hat." Ihre Wissenslücken konnte die damals 25-Jährige bei ihrer Feuerwehrgrundausbildung und der zusätzlichen Funk- und Fernsprechausbildung schnell schließen. Später kamen noch die Fortbildungslehrgänge zur Trupp- und Gruppenleiterin dazu.
Nachdem sie 1973 erfolgreich als Referentin für westliche Frauen auf dem internationalen Feuerwehrsymposium in Brünn vor "350 hochdekorierten Feuerwehrmännern" aufgetreten war, ernannte der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes sie kurzerhand zur Bundesfrauenreferentin. Ab 1988 war die gelernte Lehrerin zusätzlich in der Brandschutzerziehung und -aufklärung tätig.
Am Anfang ihrer Arbeit als Frauenreferentin stand das Problem, dass die Feuerwehr rein rechtlich gar keine Frauen aufnehmen durfte, da im Feuerschutzgesetz nur von "Feuerwehrmännern" die Rede war. Ein Umweg über das Katastrophenschutzgesetz, das auch explizit "Helferinnen" erwähnte, ermöglichte aber schließlich auch vor Änderung des Feuerschutzgesetzes 1975 die Aufnahme von Frauen in die FFW. Trotzdem sollte es noch einige Zeit dauern, bis sich Dorothea Schneider und ihre Kolleginnen gleichberechtigt als "Feuerwehrfrauen" bezeichnen durften. "Diese Bezeichnung war bis Mitte der 80er Jahr tabu", weiß Schneider. "So mussten wir auf die Bezeichnung der Feuerwehrassistentin ausweichen, obwohl wir genau die gleiche Arbeit leisteten wie die Männer." Neben den rechtlichen waren es also die sozialen Hürden, die den Frauen ihre Arbeit bei der Feuerwehr nicht immer leicht machten. Lange mussten Frauen bei den Übungslehrgängen einfach immer besser als mancher der Männer sein, um zu beweisen, dass sie auch wirklich "feuerwehrtauglich" sind. Im Gegensatz zu den Männern konnte sich eine Frau nicht leisten, von ihrem Übungssprung in das Sprungtuch zurückzutreten. Und auffällig oft wurden bei den praktischen Abschlussprüfungen die besonders schwierigen Aufgaben den Frauen gestellt.
Mit zunehmender Anzahl von Frauen in der FFW, gewöhnten sich die Männer jedoch allmählich an ihre weiblichen Mitarbeiterinnen. Nun hatte "Feuerwehrfamilie" Schneider mit ihren beiden Kindern aber noch allerlei organisatorische Aufgaben zu stemmen. Wer passt zum Beispiel auf den Nachwuchs auf, wenn das Ehepaar zum Einsatz gerufen wird? "Häufig nahmen wir Frauen die Kinder einfach mit", berichtet Dorothea Schneider. "Eine passte auf die Bande auf, während die anderen mitarbeiten konnte."
Auch die körperliche Belastung bei bis zu 160 Einsätzen im Jahr, manchmal mit nur zwei bis drei Stunden Schlaf in der Nacht, und einem Beruf, der ebenfalls ausgeübt werden wollte, war bei diesem ehrenamtlichen Engagement hoch. "Irgendwie hat man das letztendlich immer hinbekommen", sagt Dorothea Schneider beschwichtigend, wenn man sie darauf anspricht. Und das nimmt man der dynamischen Frau, die den Eindruck erweckt, als könne sie nur wenig aus der Ruhe bringen, sofort ab.
Völlig zur Ruhe gesetzt hat sich die heute 61-jährige Feuerwehrfrau jedoch noch nicht. Bis August 2008 wird sie noch als Beraterin bei der Kampagne "Frauen am Zug" mitwirken, die vom Deutschen Feuerwehrverband Anfang 2007 gestartet wurde. Diese soll mit klischeehaften Vorstellungen aufräumen und Frauen für die Mitarbeit bei der FFW interessieren. "Leider existiert das Vorurteil, dass Frauen zu dieser Art Tätigkeit nicht fähig sind, in den Köpfen vieler Männer immer noch", bedauert Dorothea Schneider.
(frauennrw.de, 10.09.2007)