Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen
  1. Frauen NRW

Einstellung zur Gleichstellung abhängig von Bildung und regionaler Herkunft

Die Studie "Lebenswelt von Migranten" hat auch Geschlechterrollenbilder untersucht

Die Gleichstellung von Frauen und Männern hat in deutschen Zugewanderten-Milieus einen ganz unterschiedlichen Stellenwert. Dies ergibt sich aus der qualitativ-psychologischen Studie "Lebenswelt von Migranten", die unter anderem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Nationalen Integrationsplans in Auftrag gegeben worden ist. Ausschlaggebend für die Einstellung zur Geschlechtergerechtigkeit sind weniger religiöse Traditionen oder ethnische Zugehörigkeit als vielmehr das Bildungsniveau und die regionale Herkunft.

Milieus bestimmen Geschlechterrollenbilder

Durch die Studie ist es gelungen, acht unterschiedliche Milieus von Zugewanderten zu identifizieren und beschreiben. Die Milieus unterscheiden sich weniger in ethnischer Herkunft und sozialer Lage als in ihren Wertvorstellungen, Lebensstilen und ästhetischen Vorlieben. So gibt es zum Beispiel das "Religiös-verwurzelte Milieu", das archaisch und bäuerlich geprägt und in den sozialen und religiösen Traditionen der Herkunftsregion verhaftet ist. Hier identifizieren sich Männer und Frauen ungebrochen mit den klassischen Geschlechterrollenstereotypen. "Eine richtige Frau ordnet sich unter und ist immer für ihren Mann und vor allem für ihre Kinder da" ist eine Einstellung, die auf dieses Milieu zutrifft. Für das "Intellektuell-kosmopolitische Milieu" dagegen ist "eine richtige Frau gut organisiert und schafft es Kinder und Karriere zu vereinbaren". Es handelt sich hierbei um Frauen und Männer mit Zuwanderungsgeschichte, die vielfältige intellektuelle Interessen verfolgen und nach Selbstverwirklichung streben.

Tradierte Rollenvorstellungen dominieren

Insgesamt zeigen sich die Milieus gegenüber der Geschlechtergleichstellung allerdings wenig aufgeschlossen: In fünf der acht dominieren tradierte Rollenvorstellungen. Gleichstellung wird hier eher mit Skepsis betrachtet. Dabei stehen die Zugewanderten der Integration in die Aufnahmegesellschaft positiv gegenüber; nur drei verhalten sich zögerlich bis ablehnend. Die Untersuchung deckt zudem auf, dass der Einfluss religiöser Traditionen oft überschätzt wird. Integrationsgrad und Einstellung zur Geschlechtergleichstellung ist insbesondere bildungs- und herkunftsabhängig: Je höher das Bildungsniveau und je urbaner die Herkunftsregion, desto eher findet eine Identifikation mit den Werten der deutschen Aufnahmegesellschaft statt. So decken sich die Migranten-Milieus, in denen Gleichberechtigung als gesellschaftlicher Wert Fuß gefasst hat, teilweise mit jenen Milieus der deutschen Gesellschaft, in denen die Gleichberechtigung verankert ist.

Die Studie

Die Studie, die auch den Titel "Die Milieus der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland" trägt, wurde von 2006 bis 2007 vom Forschungsinstitut SINUS Sociovision durchgeführt. Sie stellt eine wichtige Grundlage in der Integrationsforschung dar. Obwohl nahezu 20 Prozent der in Deutschland Wohnenden eine Zuwanderungsgeschichte haben, ist bisher wenig über Ihre Wertvorstellungen und Orientierungen bekannt. In der Studie wurde zudem ein 'Wendekreis der Gleichstellung' erarbeitet, der grafisch veranschaulicht in welchen Migranten-Milieus die Gleichstellung von Mann und Frau bisher verankert ist.

Links:

(frauennrw.de, 14.01.2008)

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