Presseerklärung vom 06. März 2008
"Rund 2 Millionen Frauen in Nordrhein-Westfalen haben eine Zuwanderungsgeschichte. Das ist jede vierte Frau. Deshalb ist es höchste Zeit, dass wir frauenpolitische Fragen auch im interkulturellen Dialog diskutieren und in Angriff nehmen", sagte heute (6. März) Frauenminister Armin Laschet in Essen bei der Veranstaltung "Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Viele Kulturen - ein Ziel?". Die Veranstaltung fand im Vorfeld des Internationalen Frauentages am 8. März statt.
Der Minister zeigte sich beeindruckt, wie sehr das Thema Gleichberechtigung als gemeinsames Ziel Frauen unterschiedlicher Herkunft verbindet. "Die Frauenbewegung ist oft eine entscheidende Triebkraft für gesellschaftliche Umbrüche gewesen und ist auch für die Integration heute unverzichtbar."
Die Erfolge der Frauenpolitik anderer Länder werden in Deutschland viel zu wenig wahrgenommen stellte Minister Laschet fest. Das gelte gerade auch für Länder, aus denen der größte Teil der hier lebenden Zuwanderinnen kommt. "Wir haben den Emanzipationsprozess, das Streben nach Gleichberechtigung nicht einer, sondern verschiedenen Frauenbewegungen zu verdanken. Bewegungen, die es zu jeder Zeit und in jedem Land gegeben hat." Der Minister betonte aber auch die Notwendigkeit internationaler Solidarität gegenüber Ländern, in denen Frauenrechte beschnitten werden.
"Auch in Deutschland brauchen wir neue Impulse. In Beruf, Politik und Gesellschaft ist das Ziel noch nicht erreicht", so Laschet weiter. Das werde vor allem von jüngeren Frauen so gesehen, wie jüngste Umfragen zeigten. Er unterstrich, dass es jetzt darum ginge, die Stärken auszubauen.
Der Film von Ulrike Brincker '"Aufgeben gilt nicht!" Vier Frauen, vier Länder, vier Karrieren', der bei der Veranstaltung gezeigt wurde, macht deutlich, dass es viele faszinierende, starke Frauen in Deutschland gibt. Auch die aus Kroatien stammende Schriftstellerin Marica Bodroi ist eine solche Frau. Sie las bei der Veranstaltung aus ihren Werken und ist ein überzeugendes Beispiel dafür, wie gut Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Deutschland und in der deutschen Sprache angekommen sind.
Laschet: "Frauen mit Zuwanderungsgeschichte werden meist in der Opferrolle gesehen. Uns ist viel zu selten bewusst, was Zuwanderinnen leisten - sowohl für unsere Gesellschaft als auch für den Emanzipationsprozess." Sich auf Defizite zu konzentrieren, hieße Potenzial auszublenden. Ziel müsse eine unvoreingenommene Wahrnehmung sein. Und das bedeute: Stärken wahrnehmen und anerkennen. Der Minister betonte: "Wenn es uns gelingt, die Stärken auszubauen, schaffen wir es auch, Defizite zu beseitigen. Es geht darum, den Austausch auf Augenhöhe zu beginnen und gemeinsam für eine angemessene Partizipation an der Mehrheitsgesellschaft zu arbeiten."