Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen
  1. Frauen NRW

Frauen aus unterschiedlichen Kulturen und Religionen haben gemeinsame Ziele

Fachtagung des nordrhein-westfälische Frauenministeriums zum Internationalen Frauentag

So unterschiedlich die Erfolge der Frauenbewegungen in verschiedenen Ländern auch sein mögen - alle engagierten Frauen eint doch ein Ziel: ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten zu können. Dies hat die Veranstaltung des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration (MGFFI) anlässlich des Internationalen Frauentages gezeigt. Rund 200 Frauen haben sich am 6. März an der Fachtagung "Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Viele Kulturen - ein Ziel?" in der Zeche Zollverein beteiligt.

Arbeit an Runden Tischen

Die Fachfrauen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte, aus kommunalen Gleichstellungsbüros, Frauenhilfeeinrichtungen, Migrantenorganisationen, Wissenschaft und Politik diskutierten an runden Tischen welche Rahmenbedingungen ihre Gleichstellung noch behindern. Anhand der Themenkomplexe Bildung, Erwerbsarbeit, soziale Situation, Gesundheit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Alter erarbeiteten sie zudem Lösungsvorschläge, die für Frauen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte unterstützend sein könnten.

Beispiel Gesundheit

Am Tisch zum Thema 'Gesundheit' wurde beispielsweise analysiert, warum bei Frauen mit Zuwanderungsgeschichte gerade psychische Erkrankungen die häufigste Beeinträchtigung der Gesundheit darstellen. Als mögliche Ursache dafür wurden Diskriminierungserfahrungen und Isolation ausgemacht. Auch Unsicherheit beim Aufenthaltsstatus oder in der Erwerbsarbeit mögen hierzu beitragen. Zudem wurde festgehalten, dass viele gesundheitliche Präventionsangebot Migrantinnen nicht erreichen. Die Fachfrauen schlugen daher vor, in Ausbildung und Studium von Ärztinnen und Ärzten, Pflegepersonal sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern Module zur interkulturellen Kompetenz einzubauen. Pflegerinnen und Pfleger könnten zum Beispiel für verschiedene kulturelle Rituale in der Körperpflege sensibilisiert werden. "In der Türkei ist es auch nicht üblich, dass die Ärztin einer Kranken sagt, dass sie lebensbedrohlich erkrankt ist", sagte eine Teilnehmerin der Runde, "das übernehmen die Kinder." Zugleich könnten diese kulturellen Unterschiede sowie die verschiedenen Sprachen von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte als Marktlücke und Geschäftsidee entdeckt werden.

Vier Frauen, vier Länder, vier Karrieren

Anregungen für die Arbeit an den runden Tischen bot der Film "Aufgeben gilt nicht! Vier Frauen, vier Länder, vier Karrieren", den die Autorin Ulrike Brincker eigens für die Veranstaltung gedreht hatte. Die Portraits der Frauen aus Russland, Spanien, der Türkei und Deutschland zeigten, vor welchem familiären und kulturellen Hintergrund die vier Frauen ihr privates und berufliches Leben gemeistert haben.

Viele Frauenbewegungen

Der Vortrag der Professorin Helma Lutz vertiefte dann noch einmal die historische Entwicklung der Gleichstellung in den vier Ländern. Dabei wurde deutlich, dass die jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Umstände die Frauenbewegungen und ihre Erfolge maßgeblich geprägt haben.

So waren die Russinnen bei vielen erkämpften Rechten, wie dem auf Beteiligung an politischen Wahlen (1917) und Bildung, die ersten. Die Kehrseite dieser Erfolge war allerdings ihre Vereinnahmung für den Aufbau des Kommunismus und die bis heute andauernde allein auf ihren Schultern lastende Doppelbelastung.

Auch in der Türkei ging die Modernisierung des Staates mit einer Frauenemanzipation einher. Mit der Entstehung der Republik Türkei Anfang des 20. Jahrhunderts erhielten Frauen die gleichen Scheidungs- und Erbrechte wie Männer. Und bereits 1914 gab es dort die erste Pilotin, die ihre Flüge dazu nutzte, um Flugblätter über Frauenrechte zu verteilen. Der Schleier war schon 1890 von der osmanischen Frauenbewegung angeprangert worden.

In Spanien hat die Macht der katholischen Kirche die zivilen und politischen Rechte der Frau lange Zeit ausgebremst. Das Wahlrecht erhielten sie 1931. Später führte der Einfluss der Kirche zu einer Auseinandersetzung zwischen Differenzfeministinnen, die die Rolle der Frau in der Familie aufwerten wollten, und Gleichheitsfeministinnen, die die prinzipielle Gleichheit von Mann und Frau betonten.

In allen Ländern führten faschistische und diktatorische Regimes wieder zu einem Verlust von Frauenrechten, was im deutschen Nationalsozialismus und seiner Mutterideologie besonderes deutlich wurde.

Helma Lutz arbeitete auch heraus, dass sich die Frauenrechtlerinnen Europas schon immer getroffen haben, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen, so zum Beispiel 1904 beim Internationalen Frauenkongress in Berlin. Als noch unerledigte und zukünftige Themen, die Frauen aus verschiedenen Ländern und Kulturen gemeinsam angehen sollten, nannte sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Bewertung von Familien- Erwerbs- und Pflegearbeit, die Deregulierung der Löhne, die vor allem Frauen treffe, die Akzeptanz unterschiedlicher sexueller Identitäten sowie die Gewalt gegen Frauen.

(frauennrw.de, 11.03.2008)

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