Pressemitteilung vom 23.04.2008
"Wir brauchen den Girl's Day, denn noch immer gilt die Regel: Je mehr Technik, desto weniger Frauen. Und deshalb müssen wir im Rahmen eines solchen Tages Mädchen schon sehr früh auf die vielfältigen Möglichkeiten der späteren Berufswahl vorbereiten und ihr Interesse auch an technischen und naturwissenschaftlichen Berufen wecken", sagte heute (23. April 2008), Dr. Marion Gierden-Jülich, Staatssekretärin im Frauenministerium, in Düsseldorf. Die Staatssekretärin lädt zum morgigen Girls' Day 2008 eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern aus den Jahrgangsstufen 9 und 10 der Gesamtschule Duisburg-Walsum in das Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration ein.
Die Mädchen arbeiten an diesem Vormittag an einem Technikprojekt, die Jungen bereiten für die gesamte Gruppe einen Imbiss vor und beschäftigen sich mit Fragen gesunder Ernährung. Staatssekretärin Dr. Gierden-Jülich: "Ich möchte Jugendliche insgesamt dazu anregen, sich mit männlichen und weiblichen Rollenklischees auseinanderzusetzen und dazu ermutigen, eigene Wünsche und Stärken zu entwickeln, auch wenn sie von den klassischen Mustern abweichen. Es ist Aufgabe der Politik, jungen Menschen den Zugang zu allen Berufsfeldern zu ermöglichen und zum Abbau von Vorurteilen beizutragen. Nur wenn dies künftig besser gelingt, werden Frauen, aber auch Männer, das ganze Spektrum ihrer persönlichen und beruflichen Möglichkeiten ausschöpfen und eine zeitgemäße Haltung zu Partnerschaft, Beruf und Familie entwickeln können."
Die Projekte werden von MABILDA, einem freien Träger der Jugendarbeit, der sich mit der Bildungsarbeit von Mädchen beschäftigt, und Jungs e. V., einem Träger für Jungenarbeit, durchgeführt und begleitet.
Junge Frauen konzentrieren sich noch immer auf Berufe wie Arzthelferin, Krankenschwester, Erzieherin, Friseurin oder Bürokauffrau. Kein einziger gewerblich-technischer Beruf ist unter den "Top 10" der Mädchen vertreten. Junge Männer werden besonders häufig zu Kfz-Mechanikern, Elektroinstallateuren und Malern und Lackierern ausgebildet. In Erziehungs- und Pflegeberufen sind Männer dagegen kaum anzutreffen.
Auch bei der Wahl des Studienfachs prägen die Geschlechterrollen vielfach die Entscheidungen. Während sich in den Ingenieurwissenschaften und der Informatik unter zehn Studierenden zwei Frauen und acht Männer befinden, ist das Geschlechterverhältnis in den Sprachwissenschaften genau umgekehrt. Hier sind von zehn Studierenden acht weiblich und zwei männlich.
Gierden-Jülich: "Es gibt aber auch Beispiele für die Veränderung von Rollenbildern und Berufsentscheidungen. In der Humanmedizin zeigt sich eine deutliche Entwicklung zugunsten von Frauen." Während über lange Zeit die Ausübung einer ärztlichen Tätigkeit Frauen überhaupt nicht zugetraut wurde, sind aktuell fast zwei Drittel aller angehenden Mediziner Frauen. In der Mathematik erreicht der Frauenanteil fast 60 Prozent. Auf niedrigerem Niveau waren zwischen 1997 und 2005 auch gesteigerte Frauenanteile in den Ingenieurwissenschaften (von 18,1 Prozent auf 19,1 Prozent) und der Informatik (von 13,5 Prozent auf 16 Prozent) zu verzeichnen, allerdings wieder mit leicht rückläufiger Tendenz und dass, bei einem hohen Fachkräftebedarf.
Im Handwerk sind nur zwei von zehn Auszubildenden Mädchen (22 Prozent). In einigen durchaus anspruchsvollen Handwerksberufen mit Technikanteilen sind Frauen jedoch in der Mehrheit. 2006 befanden sich unter den angehenden Augenoptikern mehr als 70 Prozent Frauen, bei den Zahntechnikern sind mehr als die Hälfte (54,5 Prozent) weiblich. Diese hohen Frauenquoten sind jedoch eher Ausnahmen.
Die Karrierechancen zwischen Männern und Frauen sind nach wie vor unterschiedlich verteilt. Weitgehend unabhängig von der jeweiligen Branche sind in Führungspositionen überwiegend Männer vertreten. Die Einkommen von Frauen liegen im Durchschnitt um ein Viertel unter denen von Männern.
Gierden-Jülich: "Auch in der Familie ist eine partnerschaftliche Arbeitsteilung keine Selbstverständlichkeit. Der überwiegende Teil der Hausarbeit wird immer noch von Frauen erledigt, und auch die Kindererziehung liegt zu einem großen Teil in ihrer Verantwortung. Aber es ist Bewegung in die Lebensentwürfe von Männern und Frauen gekommen. Elternzeit wird mittlerweile zu mehr als 10 Prozent von Männern in Anspruch genommen, während ihr Anteil noch 2005 bei nur gut 3 Prozent lag."