Aktuelle Brigitte-Studie: Abkehr vom Perfektionismus
Wie sehen die Wünsche, Ziele und Sorgen von jungen Frauen in Deutschland heute aus? Auf diese Frage gibt die Brigitte-Studie "Frauen auf dem Sprung" jetzt aktuelle Antworten. Und diese zeigen, dass sich sowohl potenzielle Partner als auch Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen auf die neue Frauengeneration einstellen müssen. Denn die befragten 17- bis 19-Jährigen und 27- bis 29-Jährigen wünschen sich eine feste Beziehung, die ihnen genug Zeit für sich selbst lässt, und streben sowohl eine Familie als auch eine Karriere an.
Im Auftrag der Frauenzeitschrift Brigitte wurde die Studie vom Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin (WZB) und vom Sozialforschungsinstitut infas durchgeführt. 1020 Frauen, die sich in Ausbildung, Studium oder Beruf befinden wurden persönlich befragt. Für die untersuchten Altersgruppen ist die Befragung repräsentativ. 29 Prozent der Befragten gingen zur Schule, 14 Prozent waren Azubis, 22 Prozent arbeiteten Vollzeit, 9 Prozent Teilzeit und 14 Prozent waren nicht berufstätig.
Die jungen Frauen geben sich selbstbewusst, so die zusammenfassende Interpretation der Leiterin der Studie, Jutta Allmendinger, vom WZB. "Ich bin gut in dem, was ich mache." Dieser Aussage stimmen 99 Prozent der befragten Erwerbstätigen zu. Und dieser Überzeugung sind Frauen aller Bildungsniveaus. Dementsprechend trauen sie sich auch viel zu. Mehr als ein Drittel der befragten Frauen strebt im Beruf eine Führungsposition an. Und 62 Prozent der Befragten glauben: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Frauen die Männer im Beruf überholt haben." Laut Allmendinger zeigt die Studie auch: Frauen wollen zukünftig mehr gesellschaftliche Verantwortung übernehmen
Vor die Alternative finanzielle Unabhängigkeit oder "der Mann fürs Leben" gestellt, entscheidet sich die neue Frauengeneration eher für die finanzielle Unabhängigkeit. Auch auf Zeit für sich selbst möchten die Frauen in einer Partnerschaft nicht verzichten. Abgesehen von diesen Einschränkungen hat eine feste Beziehung allerdings hohe Priorität: drei von vier Befragten wünschen sich diese. Auch Kinder gehören zu den Lebensentwürfen der jungen Frauen dazu. Und dabei wollen sie Beruf und Familie miteinander vereinbaren.
Neu ist laut Allmendinger, dass die Frauen sich nicht mehr zwischen den verschiedenen Ansprüchen zerreißen lassen wollen. Sie haben sich von dem Ideal der Perfektionistin verabschiedet, wollen jonglieren mit den Möglichkeiten, die sich ihnen bieten. Vielleicht weil sie wissen, dass es in Deutschland eben doch nach wie vor schwer ist, Familie und Beruf zu vereinbaren. Nur 16 Prozent halten dies für ein leichtes Unterfangen. Und weil sie wissen, dass Frauen für eine Karriere mehr kämpfen müssen: 84 Prozent sind der Ansicht, dass Männer schneller befördert werden als Frauen. Laut Allmendinger ist es daher an den Arbeitgebern, die Balance zwischen Arbeit und Leben zu ermöglichen.
(frauennrw.de, 12.06.2008)