Bundesregierung und Spitzenverbände der Deutschen Wirtschaft legen aktuelle Bilanz vor
Viele privatwirtschaftliche Unternehmen haben die Bedeutung der Chancengleichheit von Frauen und Männern erkannt und versuchen diese voranzutreiben. Dabei bemühen sich die Betriebe insbesondere, ihren Beschäftigten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. Geringe Fortschritte sind bislang bei der Steigerung des Anteils von Frauen in Führungspositionen sowie bei der Verringerung der Einkommensunterschiede von Frauen und Männern zu verzeichnen. Dies geht aus der 3. Bilanz zur Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft hervor, die die Bundesregierung jetzt gemeinsam mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft in Berlin veröffentlicht hat.
Die Bilanz geht zurück auf die "Vereinbarung zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft" aus dem Jahr 2001. Da man auf gesetzliche Regelungen verzichten wollte, beschlossen die Bundesregierung und die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI), Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), sich gemeinsam für die Gleichstellung von Frauen und Männern im Berufsleben einzusetzen und die Entwicklung regelmäßig zu bilanzieren. Im Einzelnen fordert die Vereinbarung dazu auf,
In der nun vorliegenden dritten Bilanz der Vereinbarung wird der Stand der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Wirtschaft nicht nur national, sondern auch im europäischen Vergleich dargestellt.
Den größten Fortschritt gibt es bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. So bieten mehr als 95 Prozent aller Unternehmen ihren Beschäftigten familienfreundliche Maßnahmen an. Fast drei Viertel aller Unternehmen haben mindestens vier familienfreundliche Maßnahmen im Angebot, gegenüber knapp 40 Prozent im Jahr 2003.
Im Herbst 2006 wurde das Unternehmensnetzwerk "Erfolgsfaktor Familie" gegründet. Dieses Netzwerk - eine Gemeinschaftsaktion von DIHK und Bundesfamilienministerium - unterstützt Aktivitäten der Unternehmen zu einer guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Bereits mehr als 1500 Betriebe sind Mitglied im Netzwerk und informieren sich über die Möglichkeiten und Potenziale familienfreundlicher Personalpolitik. Zudem sind fast alle Industrie- und Handelskammern, zahlreiche Handwerkskammern und mehr als 4000 Unternehmen in über 140 Lokalen Bündnissen für Familie aktiv. Im internationalen Vergleich liegt die Beschäftigungsquote von Frauen mit Kindern unter fünf Jahren mit 44 Prozent allerdings noch im unteren Bereich, bei Frauen mit Kindern unter acht Jahren lediglich im Mittelfeld.
Bei den Ausbildungsperspektiven gibt es vor allem im Handwerk Fortschritte. 2007 stieg der Anteil weiblicher Auszubildender erstmals auf den Höchstwert von 26 Prozent. 2006 gingen die Meisterbriefe zu knapp einem Fünftel an Frauen - 1991 waren es erst rund ein Zehntel. Handlungsbedarf besteht nach wie vor bei der Steigerung des Anteils von Frauen in Führungspositionen. In nur einem der 100 größten deutschen Unternehmen sitzt eine Frau im Vorstand. Und die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern sind in Deutschland, zum Teil auch bedingt durch unterbrochene Erwerbsbiographien, weiterhin deutlich sichtbar.
(frauennrw.de, 18.06.2008)