Hilfsorganisation startet Kampagne in Köln
Weltweit leiden viele hunderttausend Frauen unter den Folgen der Gewalt in Krisengebieten. Vergewaltigungen sind immer noch ein Mittel der Kriegsführung. Die betroffenen Frauen sind traumatisiert und leiden unter Depressionen. Oft können sie kaum noch für sich und ihre Kinder sorgen. Die Hilfsorganisation "medica mondiale" setzt sich seit 15 Jahren dafür ein, dass diese Mädchen und Frauen qualifizierte gynäkologische und psychosoziale Hilfe bekommen. Mit einer bundesweiten Kampagne macht sie nun noch einmal auf Kriegsvergewaltigungen und das Schicksal der betroffenen Frauen aufmerksam. Start ist am 20. August in der Kölner Innenstadt.
Konkret geht es darum, Unterstützung für zwei Projekte zu gewinnen. "medica mondiale" plant ein neues Frauenzentrum in Goma im Kongo sowie rechtliche Hilfe und Betreuung für Frauen in Afghanistan. Zwar herrscht seit Anfang 2008 in der Demokratischen Republik Kongo wieder Frieden, doch die vielen Frauen, die bis dahin vergewaltigt, verstümmelt und sexuell versklavt wurden, benötigen medizinische Erstversorgung und psychosoziale Betreuung. Das Frauenzentrum, das "medica mondiale" mit einer örtlichen Partnerorganisation aufbaut, soll rund 800 Frauen als Anlaufstelle dienen. In Afghanistan ist "medica mondiale" bereits seit sieben Jahren im Einsatz. Schläge, Gefängnis, Zwangsverheiratungen und vollkommene Rechtlosigkeit gehören dort immer noch zum Alltag der Frauen. In Kabul, Kandahar, Mazar-e-Sharif und Herat bietet die Hilfsorganisation nicht nur psychosoziale Betreuung an, immer mehr Frauen, die wegen so genannter moralischer Vergehen im Gefängnis sitzen, suchen auch rechtlichen Beistand. Diese Hilfe möchte "medical mondiale" auch in Zukunft anbieten können.
Im Rahmen der aktuellen Kampagne wird eine Installation aus 36 Schaufensterfiguren durch ganz Deutschland geschickt. Die Schaufensterfiguren stehen stellvertretend für die vielen weltweit betroffenen Mädchen und Frauen. Jede Figur trägt ein T-Shirt, das vorne den Schriftzug "Kriegsbeute" trägt und hinten in zwei Sätzen aus dem Leben einer Betroffenen erzählt. Die Installation soll in mehreren großen deutschen Städten jeweils über mehrere Tage präsentiert werden. Nach dem Auftakt in Köln geht es weiter in Marburg und Berlin. Prominente Unterstützerinnen der Kampagne sind unter anderem Bettina Böttinger, Nina Hoger und Margot Käßmann.
(frauennrw.de, 13.08.2008)