Fachlicher Austausch, Nachwuchsförderung und Netzwerken
Rund 250 Physikerinnen aus Deutschland und dem benachbarten Ausland haben sich vom 6. bis 9. November in Münster getroffen. Auf der 12. Deutschen Physikerinnentagung diskutierten sie nicht nur über dunkle Materie, Gewitterforschung und Datenverschlüsselung per Quantentechnik, sondern auch über Gleichstellung in Naturwissenschaften und Technik.
Die Deutsche Physikerinnentagung ist inzwischen die größte ihrer Art in Europa. Die Vortragenden kamen aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, Frankreich, Luxemburg, Schottland, und Schweden. Auch unter den Teilnehmerinnen waren viele aus dem benachbarten Ausland. Die Physikerinnen tauschten sich über den Stand in den aktuellen Forschungsgebieten der Physik, wie der Astro- und Teilchenphysik, der Photonik oder der Umweltphysik aus.
Die seit 1997 jährlich stattfindenden Physikerinnentagungen bieten jungen Wissenschaftlerinnen eine Plattform zur Präsentation ihrer aktuellen Forschungsergebnisse und zum Knüpfen erster Netzwerke. "In den vergangenen Jahren hat sich für Physikerinnen viel getan", so Dr. Hannelies Kluge, Sprecherin des Arbeitskreises Chancengleichheit in der Deutschen Gesellschaft für Physik (DPG). Zur ersten Tagung in Berlin kamen 80 Frauen, im vergangenen Jahr in Osnabrück waren es sogar 300. "Aber wir werden diese Tagung wohl noch einige Jahre bis Jahrzehnte benötigen", so Kluge. Zwar hat sich die Zahl der weiblichen Mitglieder in der DPG seit 1990 verdoppelt. Aber die nun fast 7.000 Frauen stellen doch nur 12,4 Prozent der Mitglieder.
Derzeit sind im bundesweiten Durchschnitt 27 Prozent aller Studienanfängerinnen und -anfängern in den Physik-Studiengängen Frauen. 20 Prozent der Diplom-Prüfungen werden von Frauen abgelegt, 17 Prozent der Promotionen und 10 Prozent der Habilitationen. Der Frauenanteil bei den Professuren liegt nur noch bei 5 Prozent. Die Frage der Gleichstellung spielt daher bei den Tagungen ebenfalls eine zentrale Rolle. In Münster gab es auch Vorträge zu den Karrieremöglichkeiten in der Forschung und zur Frauenförderung in der Industrie. Der Fachbereich Physik an der Universität Münster stellte zudem seine vielfältigen Aktivitäten zur Frauenförderung in der Physik vor, wie seine eigens eingerichtete Seite "Physik für Frauen", das neue Projekt "Light up your life", mit dem Mädchen am Beispiel des Themas Licht spannende berufliche Möglichkeiten aufgezeigt werden, oder die Fachbibliothek "Frauen in Naturwissenschaft und Technik".
(frauennrw.de, 14.11.2008)