Umfangreiches Filmangebot im Fokus der Freiheit
Ein Hauch von internationalem Flair hing in der Luft, als am Dienstag mit der Eröffnungspressekonferenz in Dortmund der Startschuss für das Frauenfilmfestival fiel. Festivalleiterin Silke Räbiger stellte einige internationale Teilnehmerinnen aus der Filmbranche vor. So waren etwa die beiden jungen palästinensischen Filmemacherinnen Laialy Kilani und Dara Khader aus Ramallah angereist, um während des Festival in der Nachwuchssparte "girls focus" mit jungen filminteressierten Frauen zu arbeiten. Fu Qiong, chinesische Dokumentarfilmerin, freut sich über ihren zweiten Besuch in Dortmund und wird während des Festivals ihren 2008 gedrehten Film über Dortmund vorstellen.
Die bekannte Schauspielerin Franziska Petri spielt bereits seit ihrem Studium Fernsehhauptrollen. Nach ihrem Durchbruch im Film "Vergiss Amerika" wurde sie für mehrere Filmpreise nominiert und auf der Berlinale 2009 im Rahmen der Perspektive Deutsches Kino als Beste Darstellerin ausgezeichnet. Auf dem Frauenfilmfestival stellt die Schauspielerin, die auch Mitglied der Jury des Internationalen Spielfilmwettbewerbs für Regisseurinnen ist, das RAF-Drama "Schattenwelt" gemeinsam mit der Regisseurin Connie Walther vor.
Die Cutterin Dominique Fortin arbeitet seit vielen Jahren mit der kanadischen Regisseurin Léa Pool, deren Film "Mommy is at the Hairdresser's" das diesjährige Festival eröffnete. Dominique Fortin ist seit Ende der 80er Jahre Cutterin und wirkte unter anderem bei James Bond Filmen mit. Bei der Wiederholungsvorstellung am Donnerstag, 23. April, 14 Uhr, in Dortmund und Sonntag, 26,4, 12 Uhr, in Köln diskutiert die Kanadierin den Film mit dem Publikum.
130 Filme werden während des Frauenfilmfestivals präsentiert. Das Spektrum ist weit gefasst. Die gemeinsame Klammer ist das Thema Freiheit. Reisefreiheit, Freiheit des Denkens, Entscheidungsfreiheit oder die Freiheit, tun und lassen zu können, was frau oder man möchte. Gefragt wird in den Filmen auch danach, in welchem Verhältnis gesellschaftliche Freiheit und die innere Freiheit jedes und jeder Einzelnen miteinander stehen. Die Form der Filme reicht vom Kurzfilm über Dokumentarfilm, Spielfilm, Dramen bis hin zu experimentellen Werken.
Silke Räbiger, die das erste Frauenfilmfestival bereits 1987 in Dortmund eröffnete, beobachtet eine sehr langsame, aber stetig steigende Präsenz von Frauen in der Filmbranche. Gerade im internationalen Bereich finden sich vermehrt erfolgreiche Regisseurinnen. Im Feld der Bildgestaltung sind allerdings erst neun Prozent Frauen. Bei der Filmmusik und entsprechenden Kompositionen liegt der Frauenanteil sogar nur im Promillebereich. Silke Räbiger resümiert, dass das Festival mit seinen 130 Filmen somit die Arbeit von Frauen im Bereich Film sichtbar macht. Gerade Werke, die nicht unbedingt als Publikumsmagneten wirken und dennoch von großem Wert sind, finden eher auf diesem Festival als auf der Berlinale oder in Cannes ihren sichtbaren Platz.
In ihrem Grußwort hob die nordrhein-westfälische Staatssekretärin im Frauenministerium, Marion Gierden-Jülich, die Frauenbilder, die die Filme des Festivals vermitteln, hervor: "Die Art, wie hier Frauenleben in Szene gesetzt wird, jenseits von eindimensionalen Klischees und überkommenen Rollenbildern, setzt einen ganz wichtigen Gegenpart zu Frauenbildern und Frauenfiguren, mit denen wir es tagtäglich in Film und Fernsehen zu tun haben."
Die Frauenfilmfestivals in den 80er und 90er Jahren waren stark in der damaligen Frauenbewegung verankert. Heute kommen die rund 8.000 erwarteten Besucherinnen und Besucher aus ganz unterschiedlichen Kreisen.
Auf sie wartet neben vielen spannenden Filmen vor allem eine besondere Atmosphäre, die durch die Anwesenheit der Regisseurinnen, Kamerafrauen und Cutterinnen erzeugt wird. Durch den Dialog mit ihnen fällt der Blick der Betrachtenden nicht nur auf den Film, sondern gibt auch Einblicke auf die Entstehung, Hintergründe und Anekdoten.
Das Festival, läuft noch bis Sonntag, 26. April, in Dortmund. Am Sonntag werden einige der Filme auch in Köln gezeigt.
(frauennrw.de, 23.4.2009)