Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit fordert geschlechterbewusste Analyse von Gewalt
Aggressive und offen gewalttätige Mädchen machen zunehmend Schlagzeilen. Mitte Mai zog der verhinderte Anschlag eines Mädchens auf eine Schule in St. Augustin bei Bonn die Aufmerksamkeit von Medien und Öffentlichkeit auf sich. Die Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit in Nordrhein-Westfalen e.V. (LAG) spricht sich jetzt in einer Stellungnahme für eine geschlechterbewusste Analyse des Täter- und Opferprofils vergangener Amokläufe aus. Insgesamt sei eine durchgängige, differenzierte und geschlechterbewusste Auseinandersetzung mit mädchen- und jungen-, frauen- und männerspezifischer Gewalt erforderlich. Dabei seien "Mobbing, Amok und kraftvoller Zorn", so der Titel des Papiers, nur einige von vielen Möglichkeiten wie Mädchen aggressiven Gefühlen Luft machen, denn "Aggression von Mädchen hat viele Gesichter".
In der weiteren pädagogischen und politischen Auseinandersetzung zum Thema Aggression von Mädchen fordert die LAG als landesweiter Dach- und Fachverband für Mädchenarbeit offen ausgelebte Gewalt von Mädchen nicht zu dämonisieren, aber auch nicht zu bagatellisieren. Gleichzeitig gelte es allerdings die existierende verdeckte Gewalt von Mädchen ernst und wahrzunehmen. Aufgrund einer in ihrer Sozialisation erfahrenen Abwertung ihrer aggressiven Gefühle griffen Mädchen häufig auf verdeckte Strategien wie selbstverletzendes Verhalten oder Mobbing zurück. Ziel einer geschlechterbewussten Pädagogik müsse daher sein, Mädchen darin zu begleiten, aggressive Gefühle als Teil ihrer Persönlichkeit wahrzunehmen und einen konstruktiven Umgang mit ihnen zu entwickeln.
(frauennrw.de, 23.06.2009)