Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen
  1. Frauen NRW

Einfluss der Medien auf das aktuelle Frauenbild

Veranstaltung des MGFFI zum Internationalen Frauentag gibt Einblicke in die Entwicklung der letzten 30 Jahre

Was haben der Flaschengeist "bezaubernde Jeannie", die Waschmittelikone "Clementine", Rosamunde Pilchers Filme, Anne Will und Ulrike Folkerts als Tatortkommissarin "Lena Odenthal" gemeinsam? Sie alle transportieren ein Bild von Weiblichkeit und geben damit eine Orientierung, wie Frauen sein sollten. Unter dem Titel "Frauen in den Medien" beleuchteten in Köln hochkarätige Wissenschaftlerinnen und Medienschaffende in Einzelvorträgen sowie einer Podiumsdiskussion den Einfluss der Medien auf das Frauenbild in Deutschland. Eingeladen hatte das Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes NRW anlässlich des Internationalen Frauentages zur Tagung mit anschließendem Empfang.

Frauenanteil bei den Medienschaffenden auf ein Drittel gestiegen

Die aus dem Münsterland stammende Professorin Dr. Margreth Lünenborg von der Freien Universität Berlin belegte anschaulich, wie sich mediale Bilder über die Rolle von Frauen in den letzten 30 Jahren verändert haben. Frauen dürfen heute in Funk, Fernsehen und Presse mehr sein als nur die Assistentin des Talkmasters. Sie treten als Kommissarinnen, Moderatorinnen und Politikerinnen auf. "Ermittlerinnen - ob vom eher mütterlichen Typus am Bodensee oder dem burschikos-zupackenden in Ludwigshafen - erweitern und verändern das Spektrum", so Prof. Lünenborg.

Der Frauenanteil bei den Medienschaffenden ist innerhalb von 30 Jahren von 17 auf 37 Prozent gestiegen. Frauen sind aus der Branche nicht mehr wegzudenken. Gleichwohl ist ihr Anteil an den Führungspositionen vergleichsweise gering: nur 29 Prozent arbeiten in leitender Funktion in der Chefredaktion. Hierbei erweisen sich Tageszeitungen und Nachrichtenagenturen als besonders konservativ.

Die Zeiten sind zartlila

Ferdos Forudastan, renommierte politische Journalistin aus Köln, gab sehr persönliche Einblicke in markante Situationen ihrer über dreißigjährigen Karriere. Sie, die ihrerzeit in den Hauptstädten Bonn und Berlin viele der "großen" Politiker interviewte, wurde immer wieder aufgrund ihres Geschlechtes weniger ernst genommen als männliche Kollegen. "Als ich einstieg in den Journalismus, glaubte ich, wenn ich nur viel und gut arbeite, spielt es keine Rolle, dass ich eine Frau bin!" 30 Jahre später konstatiert sie, dass die strukturelle Geringschätzung von Frauen eine systematische Diskriminierung darstellt. Dennoch ändere sich sehr langsam die Stimmung im politischen Journalismus. "Die Zeiten sind zartlila", ist sich Ferdos Forudastan sicher.

Launige Betrachtungen über Hedwig Courths-Mahlers Frauenbild

Helma Sick, Finanzberaterin aus München, brachte mit anschaulichen und launigen Betrachtungen über das Frauenbild in den Romanen der Hedwig Courths-Mahler das Publikum zum Lachen. Sie belegte, dass das Klischee des naiven, armen Mädchens, das zu guter Letzt von einem reichen, gut aussehenden Mann geheiratet und somit versorgt wird, durchaus in moderner Form in Rosamunde Pilcher-Filmen oder Seifenopern weiterlebt. Intelligente Frauen, die gerne berufstätig sind und sich als eigenständiges Wesen definieren, würden in den medialen Rollenbildern noch viel zu selten präsentiert.

Annika Bach von der Freien Universität Berlin gab einen Überblick über die Berichterstattung der Printmedien über Migrantinnen. Häufig werden Klischees dargestellt, die mit der Wirklichkeit und Vielfalt von Frauen mit Zuwanderungshintergrund nur wenig zu tun haben. Die Betroffenen selber fühlen sich immer wieder zurechtgewiesen und auf einen Platz gesetzt, der ihrer Lebenswirklichkeit nicht entspricht.

Leistungen von Frauen durch die Medien sichtbar machen

Corinna Emundts, Leiterin der Parlamentsredaktion von tagesschau.de des ARD-Hauptstadtstudios, hatte als Moderatorin in der anschließenden Diskussionsrunde einiges zu tun. Das Thema an sich, die vorangegangenen Vorträge und die Diskussion fanden große Resonanz im Publikum, welches sich lebhaft beteiligte. Prof. Dr. Margreth Lünenborg forderte die Anwesenden auf, sich stärker als Marktmacht zu begreifen. "Medien sind ein ökonomisches Gut, entsprechend werden die Wünsche der Rezipientinnen zunehmend berücksichtigt. Mischen Sie sich in die Programmentwicklung ein!".

In ihrem Festvortrag betonte Staatssekretärin Dr. Marion Gierden-Jülich die zentrale Rolle der Medien in Bezug auf die gesellschaftliche Meinungsbildung. Presse, Funk und Fernsehen prägen Einstellungen, formen Vorstellungen, vermitteln soziale Normen und konstruieren somit auch Wirklichkeit. Dr. Marion Gierden-Jülich wünscht sich, dass die Medien, die häufig als Trendsetter und Vorreiter agieren, ihre Rolle als Impulsgeber in Sachen "Gleichberechtigung" noch stärker forcieren. Es sei wichtig, die Leistungen, Erfolge und das Engagement von Frauen durch die Medien sichtbar zu machen.

(frauennrw.de, 15.03.2010)

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