Studie: Unbefristete Vollzeitstellen gehen in Deutschland weiter zurück
Der Umfang von Teilzeitjobs und befristeter Beschäftigung hat in Deutschland im Zuge der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes weiter zugenommen. Weibliche Beschäftigte sind von dieser Entwicklung stärker betroffen als männliche. Dies zeigt eine Studie der Bertelsmann Stiftung, die gemeinsam mit dem Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) erstellt wurde. Im europäischen Vergleich arbeiten laut Studie nur in den Niederlanden und der Schweiz verhältnismäßig weniger Frauen in unbefristeten Vollzeitstellen als in Deutschland.
Rückgang der "Normalarbeitsverhältnisse"
Die Zahl der traditionellen unbefristeten Vollzeitbeschäftigungsverhältnisse ist in Deutschland seit 2001 zurückgegangen. Im Jahr 2008 arbeiteten lediglich 60,1 Prozent aller Beschäftigten im Alter zwischen 25 und 64 Jahren in einem solchen "Normalarbeitsverhältnis", 4,6 Prozentpunkte weniger als 2001. Der Umfang von Teilzeitjobs und befristeter Beschäftigung hat dagegen deutlich zugenommen. Solche Arbeitsverhältnisse herrschen in Deutschland vor allem im Dienstleistungssektor vor, in dem überwiegend Frauen tätig sind.
Situation weiblicher Beschäftigter
Vor allem Frauen sind vom Rückgang der Normalarbeitsverhältnisse betroffen (minus 4,7 Prozentpunkte zwischen 2001 und 2008 gegenüber 3,5 Prozentpunkten bei den Männern). 2008 waren lediglich 43,3 Prozent der erwerbstätigen Frauen in einem traditionellen Beschäftigungsverhältnis. Damit erreicht Deutschland nach den Niederlanden und der Schweiz den drittniedrigsten Wert unter den 28 untersuchten OECD Staaten. Die Erhöhung der weiblichen Erwerbsquote insgesamt - sie lag 2008 in Deutschland bei etwa 65 Prozent - ist vor allem auf eine Zunahme der Beschäftigung in Teilzeit zurückzuführen.
Unterschiede zwischen West- und Osteuropa
In Schweden, Großbritannien, Norwegen und Frankreich fallen die Geschlechterunterschiede bei den Normalarbeitsverhältnissen geringer aus. In mittel- und osteuropäischen Ländern befinden sich sogar mehr Frauen als Männer in traditionellen Beschäftigungsverhältnissen. Der Unterschied zwischen west- und osteuropäischen Beschäftigungsstrukturen könnte laut der Autorinnen und Autoren der Studie darin begründet sein, dass es im Sozialismus kaum Teilzeitangebote für Frauen gab. Sie mussten den gleichen Arbeitsformen wie Männer nachgehen.
Weiterführender Link:
(frauennrw.de, 11.05.2010)