Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen
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Hohe Haftpflichtprämien gefährden den Berufsstand der freiberuflichen Hebamme

Bund und Land haben Unterstützung zugesagt

Freiberufliche Hebammen sollen vom 1. Juli 2010 an 3.689 Euro im Jahr für eine Haftpflichtversicherung zahlen. Zuvor waren es 2.370 Euro jährlich. Der Grund sind höhere Schadenssummen, nicht etwa gestiegene Schadensfälle, so Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes e. V. (DHV). Die Versorgung von Kindern, die nach einem Geburtsschaden schwer behindert überleben, ist mit den Jahren umfangreicher und somit auch teurer geworden. Bei einem durchschnittlichen Stundenlohn von 7,50 Euro netto für Geburtshelferinnen ist die neue Haftpflichtprämie allerdings sehr hoch. Der DHV hat Ende Mai in einem Gespräch mit Gesundheitsminister Philipp Rösler darauf aufmerksam gemacht.

Auch Beleghebammen in Krankenhäusern sind betroffen

Bei dem Arbeitstreffen im Gesundheitsministerium schilderte die Präsidentin des DHV die Folgen der hohen Versicherungssumme: "Wenn ein Hebammensterben verhindert werden soll, muss noch in diesem Jahr gehandelt werden", so Klenks Überzeugung. Zehn Prozent der Geburtshäuser hätten aufgrund der neuen Situation bereits angekündigt, in Zukunft keine Geburten mehr zu begleiten. Zudem stünden kleine geburtshilfliche Abteilungen flächendeckend vor dem Aus, wenn freiberuflich arbeitende Beleghebammen aus ökonomischen Gründen nicht mehr arbeiten könnten. Ähnliches gelte für Hausgeburten. Das würde im Besonderen auch die Situation von Schwangeren außerhalb der Ballungszentren verändern. Diese müssten dann in Krankenhäusern in den nächstgelegenen Städten entbinden. Eine ortsnahe Versorgung wäre nicht mehr gegeben.

Bundesgesundheitsminister sagt Unterstützung zu

Philipp Rösler hat seine Unterstützung zugesagt. Er versprach zeitnahe Treffen zwischen dem Gesundheitsministerium und dem Spitzenverband der Krankenkassen, beziehungsweise dem Gesamtverband der Versicherungswirtschaft. Zudem will er ein Treffen des Gesundheitsministeriums, des Familienministeriums und des Arbeitsministeriums einberufen, um die Zuständigkeiten für die Belange der Hebammen zu klären. Mögliche Lösungen könnten sein, den Verdienst von Hebammen entsprechend anzuheben oder aber - zumindest als Zwischenschritt - einen steuerfinanzierten Fond zur Finanzierung der Haftpflichtprämie bereitzustellen.

Nordrhein-Westfalens Minister Laumann plädiert für höhere Vergütung

Bereits am 5. Mai hatten nordrhein-westfälische Hebammen in Köln gegen niedrige Gehälter und steigende Haftpflichtprämien demonstriert. Gesundheitsminister Karl-Josef-Laumann äußerte dabei volles Verständnis für die Forderungen der Hebammen nach angemessener Bezahlung und sagte ebenfalls Unterstützung zu. Er verwies darauf, dass die Privatgebührenordnung für Nordrhein-Westfalen für selbstzahlende Schwangere, Gebärende und Wöchnerinnen derzeit überarbeitet und angepasst wird.

Petition an den Bundestag stößt auf breite Zustimmung

Auch während des Hebammenkongresses vom 10. bis 12. Mai 2010 in Düsseldorf gab es am Rathausplatz eine Protestkundgebung unter dem Motto: "Jetzt reichts! Hebammen kämpfen für eine Sicherstellung der geburtshilflichen Versorgung in Deutschland." Die verschiedenen Kundgebungen der Hebammen haben auch auf eine E-Petition zum Thema aufmerksam gemacht. Für eine Bundestagspetition gegen schlechte Bezahlung und steigende Haftpflichtprämien wurden bereits über 100.000 Stimmen abgegeben.

Weiterführende Links:

(frauennrw.de, 17.06.2010)

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