Ruhr-Universität Bochum entwickelt Online-Pilotprojekt
Frauen mit Essproblemen können sich jetzt sofort und anonym online beraten lassen. Im Rahmen eines Forschungsprojektes haben Psychologinnen der Ruhr-Universität Bochum das Programm "Ess-Kimo" entwickelt und ins Netz gestellt. Das Pilotprojekt richtet sich an Frauen mit Magersucht oder Ess-Brechsucht und will sie dabei unterstützen, sich bewusst gegen ihre Essstörung zu entscheiden und etwas zu unternehmen. Der Nutzen des Onlineangebots wird parallel durch eine Studie untersucht.
Essstörungen sind ambivalent
Frauen mit Essstörungen sehen sich oft zwischen den negativen Folgen ihres Essverhaltens, wie zum Beispiel Osteoporose und Depressionen, und den vermeintlich positiven, etwa dünn zu sein und den eigenen Körper zu kontrollieren, gefangen. Aufgrund dieses ambivalenten Verhältnisses zu ihrer Erkrankung suchen viele keine Hilfe. Hier setzt Ess-Kimo an. In sechs Onlinesitzungen sollen sich Betroffene klarer über die Folgen ihres Essverhaltens und ihrer Einstellung zu ihrem Körper werden. Kosten und Nutzen der Erkrankung und die Vorteile einer Veränderung werden gegeneinander abgewogen. Zu einzelnen Übungen erhalten die Teilnehmerinnen von zwei Diplom-Psychologinnen und Verhaltenstherapeutinnen ein persönliches Feedback. Das Angebot stellt keine Psychotherapie dar. Ziel ist es, Frauen dabei zu unterstützen sich gegen ihre Essstörung zu stellen, etwa indem sie sich bewusst für eine Therapie entscheiden.
Anonyme und schnelle Hilfe
Ein Online-Angebot ist laut Projektleiterin Silja Vocks gerade deswegen attraktiv, weil es anonym Hilfe bietet und sofort zur Verfügung steht. Auf einen Psychotherapieplatz warten Interessierte dagegen je nach Region zwischen drei und zwölf Monaten. "In den Niederlanden sind therapeutische Angebote im Internet schon etabliert, und ihre Kosten werden teilweise sogar von den Krankenkassen übernommen", sagt Vocks.
Studie untersucht Nutzen der Online-Beratung
Ein zu Ess-Kimo parallel angelegtes Forschungsprojekt untersucht die Effekte der Onlineberatung. Es soll klären, inwieweit die Onlinesitzungen die Teilnehmerinnen dazu motivieren, gegen ihre Essstörungen vorzugehen. Aufgrund der Ergebnisse der Studie könnten Ess-Kimo und ähnliche Onlineangebote weiterentwickelt und schließlich auch langfristig etabliert werden. Die Online-Beratung ist noch etwa sechs Monate im Netz, bei einer möglichen Verlängerung des Projekts eventuell sogar zwei Jahre.
Weiterführende Links:
(frauennrw.de, 26.08.2010)