Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen
  1. Frauen NRW

LAG Lesben NRW zeichnet Tanja Walther-Ahrens mit dem Augspurg-Heymann-Preis aus

img_Tanja-Walther-Ahrens_mod_100Ende Mai 2011 verlieh die Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW e.V. auf einer feierlichen Veranstaltung in Düsseldorf zum dritten Mal den Augspurg-Heymann-Preis. Er ging an Tanja Walther-Ahrens, die damit für ihr engagiertes Eintreten gegen Homophobie im Frauenfußball geehrt wurde.

Marlis Bredehorst, Staatssekretärin im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen, würdigte in Vertretung von Ministerin Barbara Steffens die Verdienste von Tanja Walther-Ahrens. "Dass ich Ihnen bei einer Preisverleihung gratulieren darf, die öffentlich sichtbar lesbisches Leben feiert, ist mir eine Riesenfreude. Das zeigt, wie weit wir gekommen sind. Ich hoffe, dass während der Fußball-WM in Deutschland ein Klima geschaffen wird, in dem sich lesbische Spielerinnen outen können."

Tanja Walther-Ahrens „fungiert als Anlaufstelle für schwule und lesbische Sportlerinnen und Sportler und baut Kontakte zu Funktionärinnen und Funktionären auf. Das Spektrum ihres Engagements reicht dabei von der großen politischen Bühne bis zum kleinen Dorfverein. In der Presse wird sie inzwischen als das Aushängeschild für den Kampf gegen Homophobie im Fußball bezeichnet“, sagte die Sportsoziologin Dr. Birgit Palzkill in ihrer Laudatio zur Übergabe des Wander-Preises, der von der Künstlerin Amsel-Gerlinde Korn geschaffenen Skulptur „Die Wächterin“.

Leidenschaft: Fußball

Tanja Walther-Ahrens wird die Fußball-Begeisterung in die Wiege gelegt. Sie lebt diese Leidenschaft – obwohl sie damit vielfach „aneckt“. Sie studiert Sportwissenschaft und stürmt für die Bundesligamannschaften Tennis Borussia Berlin und Turbine Potsdam. Heute engagiert sich die Lehrerin im SV Seitenwechsel, ist Abgesandte der European Gay and Lesbian Sport Federation (EGLSF) und gewann mit Theo Zwanziger, dem Präsidenten des Deutschen Fußballbundes (DFB), einen wichtigen Verbündeten im Kampf gegen Homophobie im Fußball. Zusammen mit ihm und dem Spieler Philipp Lahm erhielt sie 2008 den Tolerantia-Preis. Anfang 2011 erschien Tanja Walther-Ahrens Buch „Seitenwechsel - Coming out im Fußball“.

„Einfach so Fußball spielen, wie es Spaß macht“

Es hat sich – auch durch das engagierte Eintreten von Tanja Walther-Ahrens – viel bewegt für Frauen und Lesben im Fußball. Das Recht, einfach so Fußball zu spielen, wie es Spaß macht und der eigenen Persönlichkeit entspricht, hätten sich die Frauen auf deutschen Fußballplätzen damit jedoch noch lange nicht erkämpft, sagte die Laudatorin. Im Gegenteil: „Je mehr Aufmerksamkeit sich der Frauenfußball z.B. in den Medien erkämpft, desto höher werden zum Ausgleich die Weiblichkeitsanforderungen geschraubt.“ Die offiziellen Vertreterinnen des Frauenfußballs "beschwichtigen, indem sie die 'Weiblichkeit' der Spielerinnen betonen und zelebrieren. 'Keine Angst meine Herren, auch wenn wir uns erlauben, Fußball zu spielen: wir verlassen nicht unser weibliches Plätzchen und werden auch anderen Frauen kein schlechtes Vorbild sein,' - so lautet die etwas freie Übersetzung dieser Botschaften. Selbstverständlich gehört es zu dieser Strategie auch, jede Thematisierung von lesbischer Identität zu vermeiden“, betonte die Laudatorin.

„Andere sein lassen, wie sie sind“

Fußball sei ein Abbild der Gesellschaft, sagte Tanja Walther-Ahrens, die für mehr Neugier und Offenheit für Neues und Anderes wirbt. „Ich wünsche mir die Größe, andere so sein zu lassen wie sie sind und das wünsche ich mir auch von anderen.“

Hintergrund:

Der Augsburg-Heymann-Preis ist benannt nach Dr. jur. Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann zwei politisch-feministischen Aktivistinnen, die in der Zeit von 1890 bis zu ihrem Tod 1943 in der ersten deutschen Frauenbewegung und der internationalen Frauen-Friedensbewegung wirkten.

Weitere Informationen zum Thema:

In der im Mai 2011 erschienenen, von der Friedrich Ebert Stiftung in Auftrag gegebenen Studie „Hetero, weiß und männlich? Fußball ist viel mehr!“ beleuchten Nina Degele und Caroline Janz die Situation von Lesben und Schwulen im Fußball und entwickeln „acht Perspektiven für politische und strukturelle Maßnahmen“.

(frauennrw.de, 01.07.2011)

Foto: Privat

Links:

Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben NRW

„Hetero, weiß und männlich? Fußball ist viel mehr!“, Studie zum Download auf der Website der Friedrich-Ebert-Stiftung

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