Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen
  1. Frauen NRW

Bundesverdienstkreuz am Bande für sieben Frauen aus Nordrhein-Westfalen

img_Bundesverdienstorden12-11_Staatskanzlei-Nordrhein-Westfalen-Foto-Ralph_Sondermann_100Für ihr außergewöhnliches soziales Engagement erhielten im Dezember 2011 sieben Frauen aus Nordrhein-Westfalen Bundesverdienstorden. Tatkräftig setzen sie sich für Menschen ein, die Unterstützung brauchen.

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft übergab am 7. Dezember 2011 Bundesverdienstorden, die vom Bundespräsidenten verliehen werden, an insgesamt 16 Bürgerinnen und Bürger aus Nordrhein-Westfalen - sieben davon Frauen. In einer Feierstunde in der Düsseldorfer Staatskanzlei sagte sie: "Durch die Verleihung des Bundesverdienstordens soll deutlich werden, dass Ihr Engagement einen ganz besonderen Wert hat. Durch den Orden wird nach außen sichtbar, wie wichtig Ihr Einsatz für das Gemeinwohl ist."

Die mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichneten Frauen sind: Annelie Fabry aus Coesfeld, Karin Hehner-Rügge aus Lemgo, Elvira Kammann aus Uedem, Sigrid Platte aus Dortmund, Marlene Schroer aus Mönchengladbach, Erika Theißen aus Köln und Gabi Walter aus Köln.

Die Laudationes im Wortlaut:

Annelie Fabry aus Coesfeld (Verdienstkreuz am Bande)

Annelie Fabry ist Gründerin und spätere Präsidentin der Coesfelder Vertretung des "Inner Wheel Clubs", eine der größten internationalen Frauenvereinigungen, deren Mitglieder Partnerinnen oder Angehörige des Rotary-Clubs sind.

1994 trifft sie auf einer Feier die indische Weltpräsidentin von Inner Wheel. Beeindruckt von der Begegnung, besucht Annelie Fabry Indien und lernt vor Ort die "soziale Realität" kennen, wie sie es nennt und die im krassen Gegensatz zu den wohlgeordneten Verhältnissen im Münsterland stehen. Annelie Fabry erlebt in Indien hautnah Armut, Leid und Verzweiflung, Kinder, die auf der Straße leben und Frauen, die ausgestoßen werden, Unterernährung und katastrophale hygienische Zustände.

Anstatt davor die Augen zu verschließen oder wegzulaufen, geht Annelie Fabry auf die Menschen in Indien zu. Zusammen mit einem Rotary Club vor Ort startet sie ihre soziale Mission und stößt eine Menge wichtiger Projekte an. So sorgt sie für

  • den Bau von Brunnen und einer Schule,
  • die Errichtung einer Zahnarztpraxis,
  • die Unterstützung von Waisenhäusern und Hilfe für verstoßene Frauen.

Das notwendige Geld für diese Projekte sammelt Annelie Fabry daheim bei verschiedenen Kino- und Vortragsabenden sowie bei Basaren des Fördervereins ihres "Inner Wheel Clubs".

Und ein- bis zweimal jährlich sorgt sie vor Ort in Indien dafür, dass die Spenden auch zielgenau dort ankommen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.

Karin Hehner-Rügge aus Lemgo (Verdienstkreuz am Bande)

"Wir müssen immer wieder das Gespräch mit unserem Nächsten suchen. Das Gespräch ist die einzige Brücke zwischen den Menschen."

Diese Aussage des französischen Philosophen Albert Camus trifft das Wirken von Karin Hehner-Rügge auf den Punkt: In der Kommunalpolitik und als Mittlerin zwischen den Kulturen beweist sie seit über einem Vierteljahrhundert, wie durch Anregungen zu Gesprächen und gutem Zuhören Brücken zwischen Menschen gebaut und damit Grundlage für große Taten geschaffen werden können.

25 Jahre lang war Karin Hehner-Rügge im Stadtrat von Lemgo, sie war Vorsitzende der FDP-Fraktion und jahrelang 1. stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt. Auch als Vorsitzende des Schulausschusses suchte sie immer das Gespräch und setzte sich vor Ort unermüdlich für die Belange von Schülerinnen und Schüler ein; in Lemgo galt sie deshalb als die "Schülermutter".

Als langjährige Vorsitzende des Fördervereins der Hansekommission nahm Karin Hehner-Rügge an vielen Hansetagen teil und weckte durch das jährliche Hansefrühstück auf dem Lemgoer Marktplatz das Interesse der Bürgerinnen und Bürger für die Tradition und die Geschichte ihrer Stadt.

2000 beteiligte sie sich an der Gründung des "Deutsch-Türkischen Freundeskreises". Seither ist der Verein Anlaufstelle für ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger mit vielfältigen Beratungsmöglichkeiten. Das Angebot reicht von Nachhilfestunden bis zu einem Schüleraustausch und einem Musikworkshop.

2001 startete Karin Hehner-Rügge die Initiative "Freiwilligenagentur Lemgo", die ehrenamtliche Aufgaben an Privatpersonen, Vereine und Selbsthilfegruppen vermittelt.

Der Bundesverdienstorden für Karin Hehner-Rügge, die Brückenbauerin von Lemgo.

Elvira Kammann aus Uedem (Verdienstkreuz am Bande)

Ein Termin bei ihr ist schwieriger zu bekommen als eine Audienz beim Papst – so sagen es jedenfalls die Kinder von Elvira Kammann mit einem Augenzwinkern.

Kein Wunder – denn Elvira Kammann ist engagierte Christin mit Leib und Seele. Seit über 30 Jahren ist sie bei allen Aktivitäten in ihrer katholischen Pfarrgemeinde dabei:

  • Sie leitet Kommunion- und Messdienergruppen.
  • Sie organisiert Besuche bei Gemeindemitgliedern, die an das Krankenbett gefesselt sind.
  • Sie hilft Kindern aus sozial benachteiligten Familien beim Lernen und z. B. mit einer warmen Mahlzeit. Sie hat stets ein offenes Ohr für die Probleme ihrer kleinen Schützlinge.

Um auch finanzielle Hilfe für sozial benachteiligte Menschen leisten zu können, gründete Elvira Kammann im Jahr 2005 mit anderen die Theatergruppe "Rückenwind". Diese Laienspiel-Gruppe führt seither immer im Advent ein Theaterstück auf. Die Eintrittsgelder werden jeweils an Bedürftige für soziale Projekte gespendet, sozusagen als "Rückenwind".

Vor einigen Jahren half Elvira Kamman, in Uedem das "Café Konkret" zu eröffnen – eine "Tafel", bei der neben Lebensmitteln auch Hilfe in allen Lebenslagen angeboten wird. Von Beginn an ist Elvira Kamman aktiv dabei.

Bei so viel Einsatz verwundert es nicht, dass ihre Kinder ihre Mutter nur selten zu Gesicht bekommen – vielleicht ist die heutige Ordensüberreichung ja ein guter Anlass zum Wiedersehen!

Sigrid Platte aus Dortmund (Verdienstkreuz am Bande)

Viele Menschen erfahren schwere Schicksalsschläge, die sie aus der Bahn werfen und die es schwer machen, nach vorne zu schauen und sich den Lebensmut zu erhalten. Und dann gibt es da Menschen, die ihren Optimismus bewahren. Sie finden genügend Kraft und Mut, selbst in schweren Zeiten für andere da zu sein, für sie zum "Licht im Dunkeln" zu werden. So wie Sigrid Platte.

Selbst mit einer schlechten Diagnose konfrontiert, trat sie einer Selbsthilfegruppe in Dortmund-Mitte bei. Schon bald sorgte sie dafür, dass ihre Gruppe mit einem medizinischen Versorgungsteam vernetzt war.

Seit 1996 ist Sigrid Platte fast durchgehend in der Leitung des Dortmunder Vereins "Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V." tätig. Von 2006 bis 2010 war sie Vorsitzende des Landesverbandes NRW und engagierte sich im Bundesvorstand der Initiative.

Frau Platte organisierte Infoveranstaltungen, beantragte Fördergelder, war verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit und betreute zeitgleich über 60 Gruppen – sowohl durch die Moderation von Sitzungen und Seminaren als auch durch ungezählte Einzelgespräche.

Sigrid Platte pflegt intensive Kontakte zu Ärzten, Krankenhäusern und Brustzentren, um Betroffene mit aktuellen Informationen umfassend informieren zu können. Vor allem aber begleitet sie Krebspatientinnen persönlich, gibt ihnen Zuversicht und Halt. Sie vermittelt und ist da, wenn professionelle Hilfe an Grenzen stößt und selbst Angehörige sprach- und hilflos sind.

Heute ist der Tag, ihr Dank zu sagen – Sigrid Platte, dem "Licht im Dunkeln".

Marlene Schroer aus Mönchengladbach (Verdienstkreuz am Bande)

Holt ist ein Teil von Mönchengladbach und ein "Holter Urgestein" ist ein nicht wegzudenkender Bestandteil dieses Stadtteils. Genau das trifft auch auf Frau Marlene Schroer zu: Egal wo und wie in Holt Hilfe gebraucht wird, Marlene Schroer ist immer zur Stelle, zum Beispiel für ihre Kirchengemeinde:

  • Sie unterrichtet Kommunionkinder.
  • Sie betreut Kinder auf Wallfahrten.
  • Sie wäscht Kirchengewänder.
  • Sie sammelt Geld für den St. Martinsverein Beltinghoven.
  • Sie kümmert sich um ältere Gemeindemitglieder, die Hilfe oder ganz einfach nur Gesellschaft brauchen.

Marlene Schroer hat sich zur Leiterin von Wortgottesdiensten schulen lassen, um für die Seniorinnen und Senioren im Caritas-Zentrum in Holt diese Form der Gottesdienste durchführen zu können. Mehr noch: Sie nimmt an einer Predigtausbildung des Bistums Aachen teil, damit bringt sie sich noch mehr in ihre Pfarrgemeinde "St. Mariä" ein, in der sie auch seit einem Jahrzehnt im Krankenhausbesuchsdienst tätig ist.

Darüber hinaus rettet Marlene Schroer seit fast 30 Jahren Leben – bildlich gesprochen. Denn sie ist aktives Mitglied der DLRG, der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft in Mönchengladbach, und auch dort die "gute Seele" des Vereins.

Unter ihrer Leitung verdoppelte sich die Mitgliederzahl. Auch diese Leistung zeigt, wie aktiv, beliebt und unersetzlich Marlene Schroer auch dort ist. Sie ist eben ein echtes "Urgestein".

Erika Theißen aus Köln (Verdienstkreuz am Bande)

"Bildung als Schlüssel zur Integration" – das ist heute nicht mehr nur eine Theorie, sondern Ergebnis vieler wissenschaftlicher Studien. Doch wie können wir diese wichtige Erkenntnis umsetzen? Zum Beispiel durch Menschen wie Erika Theißen. Die Kölner Lehrerin ist eine Brückenbauerin zwischen den Kulturen, für sie steht immer der Mensch im Vordergrund – ganz egal, welche Wurzeln und welchen kulturellen Hintergrund er hat. Integration bedeutet für sie ein gedeihliches Miteinander, ohne die Herkunft verleugnen und die eigene Kultur aufgeben zu müssen.

So sorgte sie bereits Anfang der 1990er Jahre dafür, dass muslimische Frauen und Mädchen in einem öffentlichen Schwimmbad in Köln schwimmen lernen konnten.

1996 baute sie gemeinsam mit anderen Frauen ein Zentrum auf, in dem sich muslimische Frauen für die Förderung von muslimischen Frauen einsetzen: Das "Bewegungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen" ist mittlerweile ein anerkanntes interkulturelles Zentrum. In dem Zentrum werden Alphabetisierungs-, Deutschkurse und verschiedene Programme angeboten, die auf die Berufsausübung vorbereiten und das Zurechtfinden im Alltag erleichtern sollen, z. B. ein Vorbereitungskurs für Schulabschlüsse, ein Computerkurs und Beratung im finanziellen und psychosozialen Bereich.

Das Zentrum bietet ebenfalls eine Kinderbetreuung (Mittagessen, Hausaufgabenhilfe) an. Wegen seines umfassenden Konzepts hat das Projekt deutschlandweit Vorbildcharakter.

Erika Theißen zeigt uns so, wie Integration in unserem Land möglich sein kann. Dafür verleihen wir ihr den Bundesverdienstorden.

Gabi Walter aus Köln (Verdienstkreuz am Bande)

Wilhelm Busch formulierte einmal mit der ihm eigenen Verschmitztheit: "Man ist ja von Natur kein Engel, vielmehr ein Welt- und Menschenkind, und ringsumher ist ein Gedrängel von solchen, die dasselbe sind."

Beschäftigt man sich mit der Biographie von Gabi Walter, fragt man sich allerdings, ob die Bezeichnung "Engel" auf sie nicht doch zutrifft.

Bei einem Besuch auf der Domplatte im Jahr 1988, bei dem sie sich über die Sorgen und Nöte der Obdachlosen informierte, entschloss sie sich, eine Hilfsaktion für Obdachlose ins Leben zu rufen. Sie versorgte die Bedürftigen zunächst mit Lebensmitteln, Kleidung, Decken und Schlafsäcken.

1994 bot sie dann vor dem Kölner Obdachlosenrestaurant "LORE" die erste mobile "Obdachlosenkleiderkammer" an. Aus dem Kofferraum ihres PKW gab sie 7 Jahre lang 2x in der Woche Kleidungsstücke aus, berücksichtigte dabei sogar Wünsche der Betroffenen.

Seit 2001 betreibt sie eine feste Kleiderkammer vor der GULLIVER-Überlebensstation für Obdachlose. Mittlerweile hat sie mehrere tausend Obdachlose versorgt.

Wenn man bedenkt, dass neben der Vorbereitung der Kleiderausgabe auch andere Arbeiten wie die Beschaffung, das Sortieren, die Entsorgung, die Reinigung, die Pflege und das Aufarbeiten, Bügeln und Falten von Kleidungsstücken anfallen, wird klar, dass Gabi Walter einen großen Teil ihrer Freizeit dem Engagement für andere opfert – täglich bis zu 8 Stunden. Alle Kosten trägt sie selbst, Spenden leitet sie nach Rumänien, Russland oder nach Belarus weiter.

Und damit nicht genug: Gabi Walter veranstaltet für "ihre" Obdachlosen Grillfeste und Weihnachtsfeiern, geht mit Bedürftigen einkaufen oder lädt sie zum Essen ein. Ihre Herzlichkeit, die außerordentliche Tatkraft, ihre Fürsorge und die selbstlose Bescheidenheit lassen vermuten, dass wir es wahrscheinlich wirklich mit einem "Engel" zu tun haben – einem "Engel für die Obdachlosen".

(frauennrw.de, 19.01.2012)

Foto: Staatskanzlei-Nordrhein-Westfalen / Ralph Sondermann

Link:

„Ministerpräsidentin Hannelore Kraft überreicht Bundesverdienstorden an 16 Bürgerinnen und Bürger aus Nordrhein-Westfalen“, Pressemitteilung vom 7.12.2011

 

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